Schöne Fassade und etwas dahinter

Von Delia Landolt

 

Draussen schwirren wirre Schneeflocken umher, die Temperatur befindet sich um den Gefrierpunkt. Doch drinnen, in der Speerhalle in Weesen, dreht sich alles um die Sonne. Besser gesagt um ihre Energie. Denn diese soll vermehrt an Hausfassaden von Solarzellen, die gar nicht wie solche aussehen, aufgefangen werden. Rot, weiss, getarnt als Steinwand oder Marmorplatte: Seit zwei Jahren gibt es mehrere Hersteller, die Solarmodule so bedrucken. Fünf dieser Unternehmen aus der Schweiz und Österreich hat die Energieallianz Linth vergangenen Dienstag eingeladen, um ihre Modelle zu präsentieren.

 

Effiziente Hauswand

Um diese farbigen Module öfters an Hauswänden zu sehen, hat die Gemeinde Weesen Anfang des Jahres ein Förderprogramm initiiert. Gemeinderat Bruno Huber zeigte auf, dass Solarzellen an Fassaden im Winter bei tiefem Sonnenstand mehr Strom erzeugen können als diejenigen auf dem Dach. Somit ist eine ausgeglichenere Stromzufuhr das ganze Jahr über gewährleistet. Letztendlich wird aber eine Kombination aus Solarstrom vom Dach und Fassade empfohlen.

 

Ziegeldach aus Solarzellen

Die erste Referentin des Abends, Architektin Yolanda Roma, klärt das Publikum jedoch gleich über die Nachteile der «getarnten» Photovoltaikplatten auf:  Unter der verbesserten Ästhetik leide die Effizienz. Denn je dichter die Farbe auf die Module gedruckt wird, desto weniger Strom wird erzeugt. Die Verluste betragen bis zu 25 Prozent. Roma, die für das das Solartechnikunternehmen Ernst Schweizer AG arbeitet, veranschaulicht ihre Erklärungen mit einem Haus mit ziegelrotem Dach, das komplett aus Solarzellen besteht.

 

Grünes Haus in allen Farben

Mit den Energieverlusten der bedruckten Solarmodule hat sich auch Adrian Berger vom Architektenkollektiv «huggenbergerfries» auseinandergesetzt. Der zweite Referent stellte sein Projekt «Solaris 416» vor. Vollkommen in Solarzellen gehüllt reflektiere die Fassade dieses Hauses mit zehn Wohnungen ihre Umgebung und schimmere so manchmal blausilbern wie der Zürichsee, manchmal rotbraun wie die «Rote Fabrik» nebenan. Gleichzeitig werde doppelt so viel Strom erzeugt, wie ihr Betrieb benötige und erreiche damit eine positive CO2-Bilanz.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern hat Berger an der Beschichtung und Formung der Solarplatten gearbeitet, sodass der Verlust auf fünf Prozent reduziert werden konnte. Beweis genug, dass hinter einer schönen Fassade auch wirklich etwas stecken kann.

Jolanda Roma von Fa. Schweizer AG

Architektin Yolanda Roma weiss, wie sich Ästhetik mit Photovoltaik verbinden lässt. (Photo Delia Landolt)