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Klimaerhitzung: Benötigen wir mehr freiwillige oder mehr gesetzliche Massnahmen?

Prof. Jürg Rohrer zeigte in seinem Vortrag auf, dass sich über das Prinzip der «Eigenverantwortung» höchstens 20 % der erforderlichen Treibhausgas-Reduktion erzielen lässt. Um die restlichen 80% der Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) zu reduzieren, sind zwingend gesetzliche Massnahmen notwendig. Weshalb sind gesetzliche Massnahmen in der Schweiz so unbeliebt? Der Referent zeigte auf, wie die fossile Lobby im Hintergrund sehr gezielt arbeitet, um wirkungsvolle Massnahmen zu verhindern oder mindestens zu verzögern. Das Absurde daran ist, dass etwa 90 fortschrittliche Schweizer Städte und Gemeinden über ihre eigenen Gaswerke das Lobbying gegen die Energiewende finanzieren.

Anhand von Umfragen zeigt Jürg Rohrer auf, dass das Problembewusstsein bei der Klimaerhitzung vorhanden ist. Das Problem ist bekannt und weitgehend unbestritten. Viele Leute überschätzen aber ihren eigenen Beitrag zur Lösung der Problematik. Mehr als zweidrittel der Bevölkerung gibt an, wesentlich mehr als eine durchschnittliche Schweizer Person gegen die Klimaerhitzung zu machen. Wieso sehen sich zweidrittel der Bevölkerung als Vorbild? Anscheinend werden die Beiträge gegen die Klimaerhitzung von anderen Personen aus den Beiträgen der Behörden abgeleitet. Deshalb wäre die Vorbildfunktion der Gemeinden und Kantone beim Kampf gegen die Klimaerhitzung enorm wichtig.

Etwa 80 % der Bevölkerung wünschen sich stärkere gesetzliche Massnahmen, etwa die Hälfte davon glaubt aber auch, ihre Gewohnheiten durch stärkere gesetzliche Massnahmen nicht ändern zu müssen.

Schlussfolgerungen bezüglich Eigenverantwortung bei der Klimakrise

  • Es braucht zwingend politische Massnahmen (Gesetze, Rahmenbedingungen, starke Anreize)
  • Die politischen Massnahmen können durchschnittlich 4-mal mehr bewirken als die Eigenverantwortung von Einzelpersonen. Sie können zudem auch wesentlich rascher wirken.
  • Die Bevölkerung und die Unternehmen wollen politische Massnahmen
  • Es braucht aber auch Eigenverantwortung von Einzelpersonen (insbesondere bei überdurchschnittlich hohem THG-Fussabdruck)
  • Eine (echte) Vorbildfunktion von Gemeinden und Kantonen könnte viel bewirken
  • Wer nur oder primär auf Eigenverantwortung setzt, verzögert die Lösung um Jahrzehnte.